Meldungen aus dem Landesverband Schleswig-Holstein
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Volkstrauertag als Auftrag für Frieden

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Landeshaus

Blick in den hellen Plenarsaal des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Zahlreiche Gäste sitzen in Reihen an Tischen, während vorne am Rednerpult der Landesvorsitzende des Volksbundes, Dr. Ekkehard Klug, spricht. Hinter ihm sind fünf Kreuze zu sehen. Große Glasfronten lassen viel Tageslicht in den Raum.

Volksbund

Am Sonntag wurde an vielen Orten in Deutschland und weltweit anlässlich des Volkstrauertags der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Die zentrale Gedenkstunde des Landes Schleswig-Holstein fand im Plenarsaal des Landeshauses in Kiel statt. 

Dr. Ekkehard Klug, Landesvorsitzender des Volksbunds Schleswig-Holstein, begrüßte hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger. Er betonte die Bedeutung des Volkstrauertags als Tag der Mahnung zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Angesichts aktueller Konflikte in der Ukraine, im Nahen Osten und im Sudan erscheine es schwerer denn je, diese Ziele zu erreichen. Klug rückte den Beitrag der Erinnerungs- und Bildungsarbeit des Volksbundes in den Mittelpunkt: Sie sei ein wichtiger Schlüssel für Frieden und Verständigung über Grenzen hinweg.

Der Wunsch nach Frieden und die wichtige Bedeutung eines internationalen und generationenübergreifenden Erinnerns zogen sich durch alle Wortbeiträge. Musikalisch führte das Blechbläserquintett des Marinemusikkorps Kiel unter Leitung von Staabsbootsmann Michael Hergert durch die Veranstaltung.

Volkstrauertag – heute aktueller denn je

Landtagspräsidentin Kristina Herbst hob die besondere Atmosphäre im Plenarsaal hervor: Ein Ort, an dem sonst kontrovers debattiert wird, wurde zum Raum des gemeinsamen Innehaltens. Sie machte deutlich, dass der Volkstrauertag nicht nur an vergangene Kriege erinnert, sondern eine erschreckend aktuelle Dringlichkeit besitzt.

Leider ist Krieg nach wie vor nicht nur ein Thema der Geschichtsbücher, sondern er ist hier in Europa. Seit fast vier Jahren wütet Russland einen brutalen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Ein Krieg mitten auf unserem Kontinent. Ein Krieg, der uns erneut vor Augen führt, wie zerbrechlich Frieden ist und wie gefährlich Nationalismus, Machtstreben und Verachtung des Völkerrechts sind.“

Die Landtagspräsidentin betonte in Ihrer Rede die aktuelle Bedeutung, die der Volkstrauertag dadurch erlange. Der Gedenktag mahne, Frieden nicht als selbstverständlich hinzunehmen und rufe dazu auf, politisch, gesellschaftlich und menschlich Verantwortung zu übernehmen. Abschließend betonte Herbst die Bedeutung, junge Menschen aktiv in die Erinnerungskultur einzubeziehen.

Verantwortung aus Erinnerung

Bischöfin Nora Steen erinnerte daran, wie wertvoll und zugleich fragil Frieden ist. Der Volkstrauertag sei nicht nur ein Blick zurück, sondern ein Auftrag für die Gegenwart. Die Stimmen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen müssten gehört und geschätzt werden. Ihre Erlebnisse seien Geschichten der Wahrheit. Die unzähligen Kriegsgräber seien keine stummen Denkmäler, sondern Orte der Mahnung und des Erinnerns.

„Die unzähligen Kriegsgräber sind keine stummen Denkmäler, sondern Orte der Erinnerung und Mahnung.“

Nora Steen, Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein

Mahnung und Auftrag zugleich

Auch die jüngere Generation kam im Rahmen der Gedenkstunde zu Wort. Ida Lotta Glau und Leah Charlotte Wiebe, Studentinnen an der Universität Flensburg, nahmen in ihrer Rede die Anwesenden mit auf die Kriegsgräberstätte Oksbøl in Dänemark. Gemeinsam mit deutschen und dänischen Studierenden entwickelten sie für diese Kriegsgräberstätte Unterrichtsmaterialien für Schulen beider Länder und somit selbst einen Beitrag zu internationaler Verständigung und Frieden. 

In ihrer Rede forderten sie: „Lassen Sie uns nicht vergessen. Gehen wir gegen das Abstumpfen an, indem wir Fragen stellen, in den Austausch treten – je internationaler und intergenerationaler, desto besser. Offen sein. Menschlichkeit zeigen.“

Auch Jugendliche der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Heiligengeist in Kiel teilten ihre Gedanken zur Botschaft des Volkstrauertags. Sie machten deutlich, welche Verantwortung sie daraus für sich und für die Gesellschaft in einer zunehmend polarisierten Welt ableiten. Ihr Appell: sich aktiv für eine friedlichere Gegenwart und Zukunft einzusetzen.

Medienbericht zur Gedenkstunde

Auch das Schleswig-Holstein Magazin berichtete über die zentrale Gedenkstunde. Den Beitrag können Sie hier ansehen.